Sporttourismus verbindet Reisen mit sportlichen Aktivitäten, von Mega-Events wie Olympischen Spielen und der FIFA-WM bis zu aktiven Sportreisen und Trainingscamps. Er stimuliert die lokale Wirtschaft, fördert Infrastruktur, Kultur und Gemeinschaft und wächst weltweit rasant mit einem Marktwert von über 560 Mrd. USD. Beliebte Sportdestinationen wie Somabay, Teneriffa oder Mauritius bieten umfassende Sportinfrastruktur, Freizeitangebote und emotionale Erlebnisse für internationale Sportreisende.
Sport und Tourismus sind eng miteinander verknüpft. Sporttourismus bezeichnet das Reisen zu sportlichen Aktivitäten, bei denen Touristen entweder aktiv teilnehmen oder als Zuschauer dabei sind. Dazu zählen sowohl kommerzielle als auch nicht-kommerzielle Wettkämpfe und Events, die in vielfältigen Formaten Millionen Menschen anziehen. Destinationen setzen Sportveranstaltungen gezielt ein, um lokale Besonderheiten hervorzuheben und authentische Erlebnisse zu schaffen. Mega-Events wie Olympische Spiele oder die FIFA-Weltmeisterschaft steigern kurzfristig den Tourismus und den wirtschaftlichen Impact einer Region. Dabei ist Sporttourismus längst mehr als nur eine Nische: Laut UN Tourism macht er inzwischen rund 10 % der weltweiten Tourismuseinnahmen aus. Prognosen zufolge soll der Markt zwischen 2023 und 2030 mit einer Wachstumsrate von 17,5 % steigen, was die internationalen Reisebewegungen stark beeinflussen wird. Neben wirtschaftlichen Vorteilen kann Sporttourismus damit auch soziale, ökologische und infrastrukturelle Entwicklungen fördern und stärkt langfristig lokale Gemeinschaften stärken.
Um die Vielfalt dieses wachsenden Segments besser zu verstehen, lohnt sich zunächst ein Blick auf die unterschiedlichen Formen, in denen Sporttourismus auftritt. Sporttourismus lässt sich grundsätzlich in drei Hauptkategorien unterteilen. Erstens, eventbasierter Sporttourismus umfasst die Reise zu Großveranstaltungen wie dem Super Bowl, Wimbledon oder der Tour de France, bei denen Fans ihre Lieblingsmannschaften oder Athleten unterstützen und gleichzeitig lokale Kultur erleben. Zweitens richtet sich aktiver Sporttourismus an Reisende, die selbst sportlich aktiv werden, sei es beim Marathonlaufen, Radrennen, Tauchen oder Bergsteigen. Drittens, Nostalgie- und Heritage-Tourismus beinhaltet Besuche historischer Sportstätten, Hallen des Ruhms oder Sportmuseen wie das Baseball Hall of Fame Museum in Cooperstown oder das Fußballstadion Camp Nou in Barcelona.
Regionale Unterschiede der Sportarten
Die beliebtesten Sportarten unterscheiden sich je nach Region deutlich. Während Fußball in Großbritannien, Deutschland und Mexiko das Geschehen dominiert, stehen in den USA vor allem American Football und in Kanada Ice Hockey im Fokus. In Japan wiederum zieht vor allem Baseball große Zuschauermengen an. Parallel dazu wächst weltweit das Interesse an authentischen, lokal geprägten Erlebnissen rund um Sportveranstaltungen. Laut einer Umfrage von Expedia Group planen 57 % der Sportreisenden, während ihrer Reise ein lokales Sportevent zu besuchen; bei Gen Z und Millennials sind es sogar 68 %. So wird deutlich, dass Sporttourismus weit über das eigentliche Event hinausgeht und Abenteuer, Kultur und Gemeinschaft miteinander verbindet.
Marktwert und wirtschaftliche Bedeutung des Sporttourismus
Diese wachsende Nachfrage spiegelt sich auch im globalen Marktwert wider. 2023 lag der globale Marktwert bereits bei über 560 Milliarden US-Dollar und könnte laut Skift bis 2032 auf 1,3 Billionen US-Dollar anwachsen. Großereignisse wie die FIFA-WM 2026 oder die Olympischen Spiele 2028/2032 sorgen dafür, dass dieser Trend ungebrochen bleibt. Eine internationale Umfrage von Expedia Group in acht Ländern unter 2.000 Sportreisenden zeigte, dass 51 % zuletzt zu einem einzelnen Spiel gereist sind, während 37 % mehrtägige Events besucht haben. Die meisten Sportreisen dauerten zwischen zwei und sechs Tagen, 17 % sogar eine Woche oder länger. Besonders international reisebereit waren junge Fans zwischen 16 und 34 Jahren, von denen 56 % für ihr letztes Sportereignis ins Ausland reisten. In Ländern wie Kanada, Deutschland und Frankreich war der Anteil besonders hoch.
Der Einfluss von Mega-Events
Mega-Events haben dabei einen besonders starken Einfluss auf Sporttourismus. So verzeichnete die UEFA EURO 2024 in Deutschland 2,7 Millionen Ticketinhaber, von denen 44 % aus dem Ausland kamen, mit einem wirtschaftlichen Impact von 7,44 Mrd. Die Olympischen Spiele 2024 in Paris zogen etwa 11,2 Millionen Besucher an und sorgten in der ersten Woche für einen 42 %igen Anstieg der Touristenzahlen gegenüber dem Vorjahr, während die französische Zentralbank einen BIP-Anstieg von 0,25 Prozentpunkten im dritten Quartal 2024 schätzte. In den USA generierte der Super Bowl LVIII in Las Vegas rund 1 Mrd. USD an lokalem wirtschaftlichem Effekt, bei durchschnittlichen Besucherausgaben von 2.660 USD. Der F1 Las Vegas Grand Prix erzielte 2024 circa 934 Mio. USD, nachdem das Event 2023 rund 1,5 Mrd. USD in die lokale Wirtschaft spülte. Der Rugby World Cup 2023 in Frankreich führte zu Gesamtausgaben von 1,8 Mrd. € und einem Nettoeffekt von 871 Mio. €
Diese Beispiele zeigen, wie stark Sporttourismus lokale Wirtschaften stimuliert, Nachfrage nach Hotels, Gastronomie und Transport steigert und Arbeitsplätze schafft. Gleichzeitig investieren immer mehr Städte in moderne Infrastruktur, um internationale Sportevents und Athleten anzuziehen.
Emotionale und soziale Dimensionen
Neben wirtschaftlichen Kennzahlen spielen auch emotionale und soziale Faktoren eine zentrale Rolle. Die meisten Sportreisenden sind mit Freunden, Partnern oder Familie unterwegs – in den USA reisen 44 % der Fans gemeinsam mit ihrer Familie. Für viele zählt nicht nur das Event, sondern auch gemeinsame Zeit, das Reiseziel, Begegnungen mit Athleten und Kultur. Die Prioritäten unterscheiden sich je nach Herkunftsland. Für US-Reisende ist Familienzeit besonders wichtig, in Japan stehen Begegnungen mit Athleten im Vordergrund, während Mexikaner vor allem das Erleben der Destination schätzen. Studien zeigen zudem, dass Sportreisen das Wohlbefinden steigern, Einsamkeit reduzieren und generationsübergreifende Bindungen stärken.
Somabay und Teneriffa als Beispiele für erfolgreichen Sporttourismus
Wie erfolgreiche Umsetzung in der Praxis aussehen kann, zeigen beispielsweise Destinationen wie die ägyptische Halbinsel Somabay. Dort bietet sie ganzjährig eine umfassende Infrastruktur für Sportler, Familien und Remote Worker – von Hotels und Marina bis zu zahlreichen Freizeitangeboten. International anerkannte Sportanlagen wie ein 50-Meter-Olympiapool, Tennis- und Golfakademien sowie Kite- und Windsurfstationen runden das Angebot ab. Zusätzlich wird das Angebot durch Trainingscamps, kulturelle Ausflüge nach Luxor oder Kairo und Wüstensafaris ergänzt. Gleichzeitig werden soziale und familiäre Aspekte berücksichtigt, etwa Kinderbetreuung, Junior-Akademien und lokale CSR-Programme. Infolgedessen zieht Soma Bay internationale Sporttouristen an, die nicht nur wegen der Events, sondern vor allem aufgrund der emotionalen Erfahrung und des einzigartigen Ambientes anreisen.
Gleichfalls nutzt Teneriffa Sportevents gezielt zur Förderung von Tourismus und Wirtschaft. So treten bei der DEKA Tenerife 2025 rund 2.000 Athleten im Stadion Iván R. Ramallo in Los Realejos an. Die Veranstaltung kombiniert funktionelles Fitness-Training mit hybriden Sportformaten in zehn Fitnesszonen. Das Finale der DEKA Spain National Series lockt internationale Athleten und Zuschauer an und steigert den touristischen Mehrwert durch das milde Klima und die gut ausgebaute Infrastruktur der Insel.
Zudem bieten auch Hotels zahlreiche Möglichkeiten, um sich sportlich zu betätigen. Hochwertige Sporteinrichtungen finden Gäste im LUX Grand Baie auf Mauritius. Dort bietet „Muscle up on the roof“ das erste Outdoor-Wellness-Erlebnis auf dem Dach des Indischen Ozeans. Zwei 30 Meter lange Laufstrecken entsprechen olympischem Standard. Auch im 4-Sterne-Hotel Zafiro Alzinar Mar finden sportbegeisterte Urlauber einen hochmodernen Fitnessraum und einen halb-olympischen Pool.
Diese Destinationen und Hotels zeigen eindrucksvoll, dass Sporttourismus heute weit mehr bedeutet als nur Wettkämpfe. Moderne Sportreisen verbinden so professionelle Infrastruktur, Freizeit- und Kulturerlebnisse sowie soziale Interaktion. Sie schaffen emotionale Bindungen und ziehen internationale Besucher an – sei es für Trainingscamps, Profi-Turniere oder multidisziplinäre Events.
Quellen:
- https://www.expedia.com/unpack26/fan-voyage
- https://partner.expediagroup.com/en-us/resources/blog/new-study-win-big-sports-tourism
- https://www.untourism.int/sport-tourism
- https://hotelagio.com/sport-tourism-statistics/
- https://5reasonstovisit.com/travel/sports-tourism-trending-travel
- https://www.kanarenmarkt.de/teneriffa/deka-tenerife-2025-vereint-2-000-athleten-auf-den-kanaren_317072.html
- https://www.tophotel.de/soma-bay-perfekter-plan-fuer-ein-neues-paradies-377102/
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