Wie Filme und Serien heutzutage die Reiseplanung beeinflussen
Wer kennt es nicht: Man sitzt gemütlich auf dem Sofa, taucht in eine Serie oder einen Film ein – und plötzlich ist da dieses unbändige Fernweh. Ob die malerischen Straßen von Paris, die goldglänzenden Wolkenkratzer Dubais oder die mystischen Landschaften Neuseelands: Filme und Serien haben eine enorme Kraft, unsere Reiselust zu wecken. Dieses Phänomen trägt einen eigenen Namen – Set-Jetting.
Angelehnt an das Wort Jet-Setting, beschreibt der Begriff Set-Jetting die Motivation von Reisenden, an Orte zu fahren, an denen Serien oder Filmen gedreht wurden. Egal ob fesselnde TV- oder Netflix-Serien, Hollywoodblockbuster oder Independent-Filme – sie alle können als Reiseinspiration dienen und beeinflussen so die Reiseplanung. Expedia hat den Begriff Set-Jetting bereits im Jahr 2023 verwendet und diesen stetig steigenden Trend beobachtet. Aktuelle Studien zeigen: Filme und Serien inspirieren Urlauber weiterhin bei der Auswahl ihrer Reisedestinationen.
Unpack´25 Studie von Expedia zeigt anhaltenden Set-Jetting-Trend
Der Reisetrendreport Unpack´25 von Expedia in Zusammenarbeit mit Hotels.com und Vrbo liefert datenbasierte Prognosen zu aufstrebenden Destinationen und neuen Arten des Reisens. Um die aktuellen Trends der Branche zu identifizieren, haben Expedia, Hotels.com und Vrbo interne Reisedaten mit den Ergebnissen globaler Umfragen kombiniert. In der Studie von Unpack´25 hat es neben JOMO-Travel und Goods Getaways auch das Set-Jetting wieder in die Auflistung der wichtigsten Reisetrends geschafft.
Laut Unpack´25 geben zwei Drittel der Befragten an, dass Filme, Streamingdienste und TV-Serien die Wahl ihrer Reiseziele beeinflusst haben, somit sind es 16% mehr als im Vorjahr. Neben Serienhits wie „Emily in Paris“ und „The White Lotus” haben es noch weitere Destinationen laut der jetzigen Studie in die Set-Jetting-Hits geschafft. Darunter befinden sich:
- Dubai inspiriert von The Real Housewives of Dubai
- Montana und Wyoming inspiriert von Yellowstone
- New York City inspiriert von And Just Like That…
- Kapstadt inspiriert von One Piece
- Schottland inspiriert von The Traitors
„The Real Housewives of Dubai“, der neueste Trendsetter in Sachen Reiseziele, setzt sich in diesem Jahr gegen „Emily in Paris“ durch, wobei letztgenannte Serie immer noch einen starken Einfluss hat. Globalen Daten von Expedia zufolge stieg jedoch das Interesse an Dubai innerhalb eines Jahres nach Ausstrahlung der Serie „The Real Housewives of Dubai“ um mehr als 30%*. Zusätzlich zu den Set-Jetting-Destinationen an sich, interessieren sich immer mehr Reisende für geführte Touren, die die Drehorte der Serien und Filme besuchen. Federführend ist hier unter anderem das Vereinigte Königreich, wo es Hunderte von Touren zu Bridgerton, Harry Potter, Game of Thrones und Outlander gibt.**
* Basierend auf Reisedaten von Expedia vom 1. Juni bis 1. September 2023 im Vergleich zum 1. Juni bis 1. September 2022
** Basierend auf Daten von Expedia zu Aktivitäten vom 1. Januar bis 1. August 2024
La vie est belle – Emily in Paris
Seit 2020 begeistert die Netflix-Serie „Emily in Paris“ ein weltweites Publikum. Hauptfigur Emily – eine US-Amerikanerin aus Chicago gespielt von Lily Collins – ergattert in ihrer Marketing-Firma einen Job in Paris. Neben Kulturschock und Sprachbarrieren trifft sie aber auch neue Freunde und die Liebe und meistert berufliche sowie private Herausforderungen auf ihre eigene, charmante Art. Einerseits unbestritten unterhaltsam und mit Esprit, anderseits auch mit vielen Klischees: Die Serie spaltet die Zuschauer und nicht zuletzt die Pariser Bevölkerung. Seit der Ausstrahlung der mittlerweile vier Staffeln ist Paris für viele Anhänger der Serie ein Sehnsuchtsort geworden, den sie in ihre Urlaubsplanung mit aufnehmen wollen oder bereits haben. Viele Fans zieht es nach Paris, um dieselben Instagram-tauglichen Spots aufzusuchen wie in der Serie. Cafés, Bistros und kleine Boutiquen, die zuvor kaum bekannt waren, erleben plötzlich einen Besucheransturm. Natürlich sind insbesondere das Haus, in dem Emily wohnt und Orte, die sie regelmäßig in der Serie aufsucht, zum Anziehungspunkt geworden – manchmal leider auch zum Leidwesen der Anwohner, die dem Ansturm der Set-Jetter tagtäglich gegenüberstehen.
Nichtsdestotrotz steht Paris bei Urlaubern hoch im Kurs und viele Einwohner freuen sich über das Interesse an ihrer Stadt. Wie wichtig Standortmarketing mit Filmen und Serien ist, weiß auch der französische Präsident Emmanuel Macron, der die Serie zurück nach Paris holen möchte, denn: In der vierten Staffel der Serie (Ausstrahlung 2024) zog die von Lily Collins gespielte Emily Cooper der Arbeit und Liebe wegen von Paris nach Rom. Es wird sich zeigen, ob auch Rom vom Reisetrend Set-Jetting zukünftig ein kleines Stück profitieren wird.
Luxus im Wüstenstaat – The Real Housewives of Dubai
Ein anderes Beispiel liefert das Reality-Format „The Real Housewives of Dubai”. Hier geht es nicht um historische Kulissen oder romantische Straßencafés, sondern um das Inszenieren von Luxus und Glamour und begleitet wohlhabende Hausfrauen aus Dubai in ihrem luxuriösen Alltag. Die Serie transportiert ein Bild von Dubai als Spielplatz der Superreichen – mit edlen Restaurants, Privatjachten und exklusiven Clubs. Dubai wird als hypermoderne Stadt dargestellt, eingebettet in traditionelle arabische Kultur – ein Spannungsfeld, das Reisende anzieht. Zuschauer:innen, die sich inspirieren lassen, buchen teure Hotels, Shoppingtouren oder Wüstensafaris und kurbeln damit den Luxustourismus an. Das Format macht Dubai als Destination letztendlich global noch sichtbarer.
Warum beeinflussen Filme und Serien unsere Reiseentscheidungen?
Bewegtbild in Form von Serien und Filmen hat auf die Menschen seit jeher eine vielseitige Wirkung. Auch die Entscheidung, wohin wir reisen möchten, wird derzeit stark von diesen Formaten geprägt, wie die Studie Unpack´25 nochmal deutlich gezeigt hat. Schlüsselfaktoren dafür sind:
- Visuelle Verführung: Landschaften wirken auf dem Bildschirm größer, schöner und makelloser als im Reisekatalog.
- Emotionale Bindung: Wer sich mit Figuren identifiziert, möchte deren Welt auch im echten Leben erleben.
- Storytelling: Orte werden mit Geschichten aufgeladen – man will nicht nur Paris sehen, sondern Emilys Paris.
- Authentizität: Während klassische Werbung oft künstlich wirkt, fühlen sich Szenen aus Serien „echter“ an.
Ausblick
Es ist anzunehmen, dass der Trend des Set-Jettings weiter zunehmen wird, es ist mehr als ein kurzlebiges Phänomen. Filme und Serien prägen nachhaltig, wie wir Reiseziele wahrnehmen und auswählen. Ob romantisch in Paris mit Emily, luxuriös in Dubai mit den „Housewives“, abenteuerlich in Neuseeland mit Frodo oder prunkvoll im England der Regency-Ära mit den Bridgertons – wir alle sind empfänglich für die Magie bewegter Bilder und Touren zu bekannten Sets sind heute ein eigenes Geschäftsmodell.
Für Reisende lohnt es sich dabei, hinter die Kulisse zu schauen: Die Geschichten mögen fiktiv sein, doch die Orte sind real – und sie erzählen oft noch viel mehr als die Serien und Filme selbst. Wer das berücksichtigt, kann nicht nur „auf den Spuren“ seiner Lieblingsfiguren wandeln, sondern auch echte Begegnungen und authentische Erfahrungen sammeln.
Am Ende zeigt Set-Jetting vor allem eines: Unsere Sehnsucht nach Geschichten ist untrennbar mit unserer Sehnsucht nach Orten verbunden.
Quellenangabe:
- Expedia „Unpack 25“ Studie: Unpack ’25: Die Trends und was sie für Reiseunternehmen bedeuten
- ZDF Heute: Bridgerton und Co.: Filmtourismus ist beliebt wie nie
- Tageskarte: Streaming wird zum Reisekatalog: Wie Serien die Urlaubsplanung beeinflussen: Tageskarte
- Der Spiegel: Emmanuel Macron will Netflix-Serie »Emily in Paris« zurück nach Paris holen – DER SPIEGEL
- News.com.au: Influencer paradise: ‘They were screaming … then they took them away’ | news.com.au — Australia’s leading news site for latest headlines
- Exxpress.at: “Emily in Paris”: Hit-Serie spaltet die Pariser Bevölkerung | Exxpress
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