Last Minute – dieser Bezeichnung ist bis heute verbunden mit gewissen, fast schon romantischen Bildern, die wir alle im Kopf haben: Noch in den 90er-Jahren gab es viele Reisewillige, die mehr als spontan ihre Urlaubsreise buchten. Koffer gepackt, ab zum Flughafen und dort das vermeintliche Mega-Schnäppchen ergattert. Teilweise ging es direkt ab zum Flieger und an den Traumstrand. Flughafen-Reisebüros waren Meister im Bemalen großer Pappschilder mit Sonder- und Last Minute-Angeboten. Ob die Ersparnis wirklich so groß war? Das stand auf einem anderen Blatt, aber Fakt war, diese Strategie zog für viele Jahre.
Irgendwann wandelte sich die Marktsituation. Reiseveranstalter wollten ihre Kapazitäten lieber langfristiger verkaufen und nicht bis Saisonende warten, um zu sehen, ob die Einkaufsstrategie aufgegangen und alle Kontingente vermarktet waren. So wurden nach und nach mehr die Frühbucher „belohnt“ mit Ersparnissen. Der Trend des Frühbuchens wurde ausgerufen.
Während der Pandemie und in den zwei Jahren danach verstärkte sich das Frühbucher-Phänomen, bedingt durch zwei Faktoren: Zum einen wurden die verfügbaren Reisekapazitäten seitens der Airlines und Reiseveranstalter stark eingeschränkt, oft aufgrund der politischen und rechtlichen Vorgaben. Dies wirkte auch in den ersten Nach-Pandemie-Jahren noch nach, da es bekannterweise oft leichter ist, etwas zu streichen, stoppen oder einzuschränken als es wieder auf- und auszubauen.
Somit trafen diese immer noch verknappten Kapazitäten auf ein ausgesprochen starkes Reisebedürfnis unter den Konsumenten. Urlaub mit dem Camper in den Bayerischen Wald, nach Niedersachsen auf den Bauernhof oder in der Ferienwohnung an der Ostsee? Für viele in der Pandemie eine Alternative, auf Dauer dann doch nicht. Sobald die Corona-Restriktionen ausgelaufen waren, zog es die Urlauber wieder in die Nachbarländer, ans Mittelmeer oder in die Ferne. Gut beraten war dann, wer früh buchte. Last Minute-Geschäft? War so gut wie nicht vorhanden, da früh gebucht wurde, um sich einerseits „mal wieder auf eine schöne Reise freuen zu können“ und andererseits noch etwas vom verfügbaren Angebot zu bekommen.
Irgendwann war diese erste Reisesehnsuchtswelle dann doch abgeebbt und die Kapazitäten bei Airlines, Hotels und Veranstaltern wieder hochgefahren. Nun bewegen wir uns langsam wieder auf Normalniveau, sowohl hinsichtlich der Kapazitäten als auch der Urlaubswünsche.
Ist der Reisetrend Last Minute nun wieder zurückgekehrt? Jein. Es kommt darauf an, wer reist. Familien, die hinsichtlich der Reisezeiten festgelegt sind, nutzen immer noch die Rabatte in der Frühbucherphase und versuchen so, ihren Sommerurlaub möglichst bezahlbar zu halten. Gerade die finanzielle Sorge in politisch und wirtschaftlich unsicheren Zeiten führt dazu, dass nicht mehr auf Spontanreisen gesetzt wird.[1] Singles und Paare dagegen legen Wert auf Flexibilität und Entscheidungsfreiheit und hoffen auf kurzfristige Urlaubsschnäppchen. Während nur 15 % dieser Zielgruppen langfristig buchen, reisen 30 % Last Minute. Vor allem Kurzreisen sind hier im Fokus, die Last Minute-Kundschaft bucht zu 45 % Reisen von maximal 7 Tagen.[2]
Aber lassen sich mit Last Minute wieder gute Schnäppchen erzielen oder ist es mehr Augenwischerei? Auch hier kommt es darauf an, wen man befragt. Laut Aussage der Reiseveranstalter waren Neubuchungen seit dem Ende der Frühbucherphase sehr verhalten und würden seit dem Einsetzen der Last Minute-Phase für Sommer 2025 aufgrund der angebotenen Rabatte von bis zu 40 % stark steigen. Sehr gefragt sind hierbei Ziele rund um das Mittelmeer. Vor allem bei der Türkei lagen die Preise zu Buchungsstart recht hoch und haben sich lange Zeit nicht bewegt. Erst jetzt zur Last Minute-Phase nutzen viele Hoteliers nun die Rabatte, um ihre leeren Hotelbetten zu füllen.[3]
Aus Sicht der Reisebüros jedoch sind viele Last Minute-Aktionen reine Werbemaßnahmen ohne spürbares Ergebnis für die Kunden. Preise für diese Phase werden als „unterirdisch“ bezeichnet. Damit liegen die Wahrnehmungen weit auseinander. Aber was stimmt nun? Online-Plattform Holidaycheck hat in einer exklusiven Auswertung die Preise für Last Minute dieses Jahres mit denen vom letzten Jahr verglichen. Im Fokus standen dabei die Reisepreise für eine 4-köpfige Familie im April, Mai und Juni für die beliebten Urlaubsregionen Hurghada, Kreta, Mallorca und Türkische Riviera. Dabei wurde ersichtlich, dass sowohl letztes als auch dieses Jahr die Reisepreise für den Sommerurlaub im Auswertungszeitraum gesunken sind. Alle vier Destinationen lockten mit Ersparnissen, die größten Rabatte waren an der Türkischen Riviera möglich. Dies deckt sich mit der Aussage der Reiseveranstalter.
Erkenntnisse sind aber auch: Es gibt keinen einheitlichen Start zur Last Minute-Phase und alles hängt davon ab, wie stark bis dato abverkauft wurde. Hotels im hochwertigen 4- und 5-Sterne-Segment werden häufig auch so gut gebucht und sind selten als Last Minute-Schnäppchen erhältlich.[4]
So hat sich auch das Gesicht des Last Minute-Geschäfts verändert. Die oben beschriebenen super-spontanen Reisewilligen, die Überraschungsreisen am Flughafen buchen und direkt losdüsen, gibt es nicht mehr. Last Minute hat mit einer Resterampe nichts mehr gemeinsam, sondern das Preisniveau ist hier trotz Nachverhandlungen höher als früher. Es steht der Luxus der Flexibilität und Freiheit im Vordergrund beim Buchen.[5]
KLEBER GROUP Insights
Wir bei KLEBER GROUP unterstützen unsere Kunden in allen Marketing- und Buchungsphasen durch das touristische Jahr. So z.B. mit inspirierenden Berichten zur Destination in relevanten Reise- und Vertriebsmedien in digitaler oder Printform, um die Awareness für das Reiseland zu steigern. Aber auch durch Kooperationen mit führenden Reiseveranstaltern, um den Abverkauf in den heißesten Buchungszeiten zu pushen – wir wissen, welcher Vertriebspartner zu unseren Kunden passt und arbeiten immer individuelle Marketingpläne aus, um das jeweilige Ziel unseres Kunden zu erreichen. Zum Beispiel mit Taiwan: Hier sind wir beide Strategien gefahren. Zum einen haben wir mit einem Reiseveranstalter eine langfristige Kampagne entwickelt, die sich konkret an früh buchende Reisende gerichtet hat. Zum anderen haben wir dann zu einer späteren Buchungsphase mit anderen Reiseveranstaltern gezielt Kurzentschlossene angesprochen. Unter dem Strich konnten wir so die Gästezahlen in allen Zielgruppen signifikant steigern.
Quellen:
[1] https://www.fvw.de/touristik/vertrieb/kurzfristgeschaeft-kommt-der-last-minute-boom-das-sagen-die-reisebueros-252727
[2] https://www.fvw.de/touristik/vertrieb/exklusiver-preis-check-fuer-tuerkei-und-co-lohnt-sich-last-minute-das-sagen-holidaycheck–tda-254048
[3] https://www.fvw.de/touristik/veranstalter/diskussion-auf-fvw.de-last-minute-verkauf-nimmt-jetzt-kraeftig-fahrt-auf-253688
[4] https://www.fvw.de/touristik/vertrieb/exklusiver-preis-check-fuer-tuerkei-und-co-lohnt-sich-last-minute-das-sagen-holidaycheck–tda-254048
[5] https://www.fvw.de/touristik/veranstalter/billig-war-gestern-so-hat-sich-das-last-minute-geschaeft-gewandelt-254585
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