Obwohl der Schweizer Reisemarkt vergleichsweise klein ist, zählt er zu den begehrtesten Zielgruppen für Destinationen weltweit. Schweizerinnen und Schweizer reisen bewusst, investieren in Qualität und suchen nach authentischen, persönlichen Erlebnissen. Wer versteht, wie dieses spezielle Reiseverhalten funktioniert, kann die Wünsche und Bedürfnisse dieser anspruchsvollen Zielgruppe gezielt ansprechen.
2025 war ein Jahr, in dem Reisen für Schweizerinnen und Schweizer nicht einfach zurückkehrte – es bekam eine neue Qualität. Laut dem Schweizer Bundesamt für Statistik reiste jede Person mit Wohnsitz in der Schweiz im Durchschnitt drei Mal mit Übernachtung, Tagesreisen ohne Übernachtung wurden fast neun Mal unternommen. Auslandziele bleiben dominant: 65 % der Übernachtungsreisen führten ins Ausland. Gleichzeitig zeigt sich ein Aufschwung des Inlandtourismus, denn die Schweiz erlebt als Destination für die eigene Bevölkerung eine Renaissance. In diesem Spannungsfeld zwischen heimischer Vertrautheit und globaler Neugier manifestiert sich eine neue Reisekultur: bewusst, sinnorientiert und klar auf Erlebnis, Qualität und Bedeutung ausgerichtet.
Die Wiederentdeckung des Reisens: Zahlen, die Trends sichtbar machen
Reisen ist heute kein spontaner Nervenkitzel mehr, sondern ein gut geplanter Bestandteil des Lebens. Frauen reisten 2024 durchschnittlich 3,1 Mal mit Übernachtung, Männer 2,7 Mal. Besonders auffällig ist, dass Frauen häufiger Solo-Reisen unternehmen, sei es als Kurztrip in der Schweiz oder für eine Auslandsreise. Solo Travel ist damit zu einem wichtigen Bestandteil des Reiseverhaltens geworden und spiegelt den Trend zu mehr Unabhängigkeit, Selbstbestimmung und persönlichen Erlebnissen wider. Pro Person lagen die Ausgaben bei rund 228 Franken in der Schweiz und 301 Franken im Ausland.
Ein wichtiger Trend zeigt sich im saisonalen Wandel: Immer häufiger wählen Schweizerinnen und Schweizer nicht mehr nur klassische Sommerferien, sondern auch Herbst- oder Nebensaisonreisen. Im Herbst 2024 waren rund 15 % mehr Gäste im Mittelmeerraum als im Vorjahr, was auf veränderte Buchungsgewohnheiten und die zunehmende Flexibilität der Reisenden hinweist. All diese Zahlen zusammengenommen zeigen, dass Reiseentscheidungen reflektiert getroffen werden, mit einem klaren Bezug zu Mobilität, Lebensqualität und Planung.
Neue Motive: Erholung, Sicherheit und Selbstfürsorge
Im Zentrum des Reiseverhaltens steht zunehmend die Frage, warum man reist. Nicht mehr einfach, um irgendwohin zu gehen, sondern um etwas zu erleben, das weiterbringt und inspiriert. Schweizer Haushalte sind bereit, mehr Geld für Ferien auszugeben, da Reisen als Investition in Lebensqualität verstanden werden. Gleichzeitig wächst das Bedürfnis nach Sicherheit, Flexibilität und verlässlichen Angeboten. Reisen wird als Form der Selbstfürsorge verstanden: Ruhe, Natur, Zeit mit der Familie, Rückzug aus dem Alltag und persönliche Entfaltung prägen zunehmend die Wahl von Ziel, Zeitpunkt und Art der Reise. Besonders für Frauen ist dabei Solo Travel ein Weg, eigene Interessen zu verfolgen und unabhängig neue Erfahrungen zu sammeln. Die Schweiz agiert nicht mehr nur als Reiseziel, sondern entwickelt sich zu einer Nation bewusster Reisender.
Inspiration und Entscheidung: Von Katalogen zu digitalen Impulsen
Früher weckten Kataloge und Plakate Reiseträume, heute sind es emotionale Bilder, Social-Media-Erlebnisse und personalisierte Empfehlungen. Reisende wählen ihre Ziele zunehmend nach Motivation, Stil und Geschichte und nicht allein nach Destination oder Preis. Inspiration wird digital bereitgestellt und Entscheidungen werden individuell und bewusst getroffen. Gleichzeitig zeigt sich, dass viele Schweizerinnen und Schweizer bereits bewusstere Reiseformen wählen und ihre Auswahl nach Destination, Dauer und persönlichen Motiven treffen. Auch Solo-Reisende orientieren sich stark an digitalen Impulsen, Erfahrungsberichten und Online-Communities, um sichere, bereichernde und gut planbare Reiseerlebnisse zu finden.
Zugleich zeigt die Allianz Partners Studie, dass das Thema Over-Tourism zunehmend Eingang in die Reiseberatung findet: Rund drei Viertel der befragten Schweizer Reisebüros berichten, dass Over-Tourism bei ihren Kundengesprächen bereits ein Thema ist, und etwa ein Drittel der Anbieter geht aktiv darauf ein, indem alternative Reisezeiten oder weniger frequentierte Destinationen angeboten werden. So entsteht ein Reiseverhalten, das orientiert ist an persönlichem Anspruch, einem offenen Blick auf die Welt und Rücksicht auf Destinationen, nicht lediglich an der Verfügbarkeit eines Fluges.
Reisen 2026: Ruhe, Tiefe und Sinn
Für 2026 kündigt sich eine Ära des bewussten Reisens an, die nicht schneller oder weiter, sondern tiefer, thematischer und persönlicher ist. Ein zentraler Trend ist die Nebensaison: Der Herbst etabliert sich zunehmend als echte Alternative zum Sommer. Badeferien im Süden werden auch in der Herbstzeit vermehrt gebucht, mit Anstiegen von bis zu 25 % gegenüber früheren Jahren. Damit verlagert sich die Reisesaison von den Sommermonaten auf einen längeren Zeitraum. Für 2026 bedeutet das, dass Destinationen, Anbieter und Reisende Herbst- und Frühjahrszeiten bewusst nutzen werden, mit besseren Bedingungen, Angeboten und Erlebnissen.
Ein weiterer prägender Trend ist die Schaffung individualisierter Erlebnisräume. Laut Skyscanner wird 2026 von sieben spezifischen Trends geprägt sein, darunter kulinarische Alltagserlebnisse, Bergurlaube mit Bedeutung, Literatur- und Kulturreisen, Familienreisen sowie besondere Aufenthalte in außergewöhnlichen Hotels. Schweizer Reisende werden ihre Ferien nicht mehr nur nach Destinationen wählen, sondern nach Geschichten, Erlebnissen und persönlicher Relevanz. Reisen wird intensiver, bedeutungsvoller und individuell gestaltet. Besonders Frauen und Solo-Reisende werden von diesen Trends profitieren, da Angebote und Erfahrungen zunehmend auf persönliche Interessen zugeschnitten werden.
Auch die Ausgabenstruktur verändert sich. Viele Reisende planen, 2026 mindestens gleich viel oder mehr für Auslandsreisen auszugeben, mit steigenden Investitionen in Flüge, Unterkünfte und Aktivitäten. In der Schweiz bedeutet dies, dass trotz Kostenbewusstsein die Bereitschaft wächst, für Qualität, Erlebnis und Tiefe zu investieren. Reisen wird anspruchsvoller und bewusster.
Darüber hinaus gewinnt Ganzjahrestourismus an Bedeutung. Home-Office, flexible Arbeitsmodelle und veränderte Lebensrhythmen ermöglichen es, außerhalb klassischer Ferienzeiten zu verreisen. Dies eröffnet den Reisenden bessere Preise, weniger Überfüllung und neue Möglichkeiten, Destinationen in anderen Jahreszeiten zu erleben.
Nicht zuletzt rücken Nachhaltigkeit und Sinnhaftigkeit stärker in den Vordergrund. Wer 2026 reist, versteht Reisen zunehmend als sozial-ökologisches Statement. Alltagserlebnisse, lokale Kultur und authentische Erfahrungen werden Teil der Feriengestaltung und reflektieren das wachsende Bewusstsein für Umwelt, Gesellschaft und persönliche Entwicklung. Solo-Reisen bieten dabei zusätzlich Raum für Selbstreflexion und individuelle Erlebnisgestaltung.
2026 wird somit das Jahr, in dem Schweizer Reisende nicht nur mehr, sondern anders reisen – bewusster, langsamer, intensiver und qualitativ wertvoller.
Fazit: Reisen als bewusste Rückkehr zum Leben
Das Reiseverhalten der Schweiz zeigt, dass Sehnsucht sich wandelt, aber nicht verschwindet. 2025 markierte die Rückkehr in eine vernetzte Welt, 2026 wird zur Ära des reflektierten Weiterreisens. Schweizerinnen und Schweizer suchen nicht einfach Destinationen, sondern Emotionen, Geschichten und Erlebnisse, die prägen. Reisen wird nicht unternommen, weil Orte existieren, sondern weil Orte etwas in uns auslösen.
Und so beginnt jede Reise nicht am Flughafen, sondern im Inneren, dort, wo Sehnsucht entsteht und Zukunft sich entfaltet.
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Quellen:
- Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). (2025). „Schweizerinnen und Schweizer reisen oft – das zeigt die … Statistik“. Retrieved from https://www.srf.ch/news/schweiz/reiseverhalten-neue-statistik-zeigt-schweizerinnen-und-schweizer-verreisen-oft
- Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). (2025). „Verändertes Reiseverhalten: Ist der Herbst ferientechnisch der neue Sommer?“ Retrieved from https://www.srf.ch/radio-srf-1/veraendertes-reiseverhalten-ist-der-herbst-ferientechnisch-der-neue-sommer
- Travelnews. (2025). „So ticken Schweizer Reisende wirklich“. Retrieved from https://www.travelnews.ch/trips-and-travellers/29061-so-ticken-schweizer-reisende-wirklich.html
- Tourismus‑Forschung/Hotellerie Schweiz (htr.ch). (2025). „Schweizerinnen und Schweizer reisen 2026 individueller denn je“. Retrieved from https://www.htr.ch/story/schweizerinnen-und-schweizer-reisen-2026-individueller-denn-je-44100
- Tourismus‑Forschung/Hotellerie Schweiz (htr.ch). (2025). „Reiselust ja, Langstrecken nein: So ist die Schweiz unterwegs“. Retrieved from https://www.htr.ch/story/tourismus/reiselust-ja-langstrecken-nein-so-ist-die-schweiz-unterwegs-42770
- Allianz Partners Schweiz. (2025). „Buchungs‑ und Reiseverhalten der Schweizer Bevölkerung 2025“. Retrieved from https://www.allianz‑partners.com/de_CH/presse‑und‑medien/studien.html
- Prestige Travel. (2025). „Reisetrends und Trend‑Reiseziele der Schweizer 2026“. Retrieved from https://www.prestige-travel.ch/reisetrends-und-trend-reiseziele-der-schweizer-2026/
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