BMZ-Engagementpreis für Chancen International CEO Batya Blankers: Wie faire Bildungsfinanzierung Perspektiven für junge Menschen in Afrika schafft
Chancen International verbindet innovative Bildungsfinanzierung mit konkreten Karrierechancen und baut Brücken zwischen afrikanischen Talenten und dem internationalen Arbeitsmarkt
Frankfurt/Kigali, 07. September 2026. Für ihr langjähriges hauptamtliches Engagement für Bildungsgerechtigkeit und wirtschaftlichen Aufstieg ist Batya Blankers, CEO und Mitgründerin von Chancen International, mit dem Engagementpreis 2026 des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ausgezeichnet worden. Mit dem Preis würdigt das BMZ ihren persönlichen Einsatz für die Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele und insbesondere ihr Engagement dafür, jungen Menschen aus einkommensschwachen Haushalten den Zugang zu höherer Bildung zu ermöglichen.
Die Auszeichnung in der Kategorie „Langjähriges Engagement (hauptamtlich)“ wurde von Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan verliehen. In der Laudatio erklärte Volker Meier, Abteilungsleiter Grundsätze im BMZ: „Sie machen möglich, dass Menschen, die traditionell von höherer Bildung ausgeschlossen sind, Universitäten und Hochschulen besuchen können – Menschen aus einkommensschwachen Haushalten, ländlichen Regionen oder Frauen. […] Mit Ihrer Entschlossenheit und Ihrer Vision bringen Sie uns dem Ideal der Bildungsgerechtigkeit Abschluss für Abschluss ein kleines Stückchen näher.“
Für die auf dem afrikanischen Kontinent verankerte Nichtregierungsorganisation Chancen International ist die Auszeichnung Anlass, den Blick stärker auf eine Frage zu richten, die für die Zukunft Afrikas ebenso relevant ist wie für internationale Arbeitsmärkte: Wie können junge Menschen ihr Potenzial entfalten, wenn ihnen der finanzielle Zugang zu Bildung und beruflicher Qualifizierung fehlt?
Der Handlungsbedarf ist groß: Laut Weltbank haben weniger als neun Prozent der jungen Menschen in Subsahara-Afrika Zugang zu einer tertiären Ausbildung.
Bildung finanzieren, Chancen weitergeben
Chancen International setzt genau hier an. Das non-profit Unternehmen mit Hauptsitz in der ruandischen Hauptstadt Kigali finanziert die Ausbildung junger Menschen in unterschiedlichen afrikanischen Ländern, die sich eine weiterführende Ausbildung oder ein Studium sonst nicht leisten könnten. Das Besondere: Die Studierenden zahlen zunächst nichts. Erst wenn sie nach ihrem Abschluss arbeiten und ein entsprechendes Einkommen erzielen, leisten sie einkommensabhängige Rückzahlungen. Diese Mittel fließen anschließend in die Finanzierung der nächsten Generation.
„Talent ist überall vorhanden. Aber die Chancen, dieses Talent zu entwickeln, sind es nicht“, erklärt Batya Blankers, CEO von Chancen International. „Wir wollen nicht nur Bildung finanzieren. Wir wollen jungen Menschen ermöglichen, ihr eigenes Einkommen zu erwirtschaften, ihre Familien zu unterstützen und ihre Zukunft selbst zu gestalten.”
Seit der Gründung 2018 in Ruanda wurden bereits mehr als 11.000 junge Menschen in Afrika über das Modell finanziert, vor allem Frauen aus ländlichen Regionen, die von Armut betroffen sind. Nach Angaben von Chancen International kann das Modell die Lebenseinkommen der Programmteilnehmenden um bis zu das Fünffache steigern und erzielt für jeden investierten US-Dollar einen Impact von 46 US-Dollar.
„Chancen International leistet wichtige Arbeit, indem die Organisation mit ihrem Finanzierungsmodell den Zugang zu Bildung erleichtert und damit konkrete berufliche Perspektiven eröffnet. Gerade angesichts der wachsenden jungen Bevölkerung Afrikas braucht es mehr solcher Ansätze“, sagt Hanna Kleber, Vorsitzende von Voice4Africa. Die Initiative der KLEBER GROUP unterstützt Chancen International dabei, das innovative Modell im deutschsprachigen Raum bekannter zu machen.
Heute ist die Nichtregierungsorganisation in Ruanda, Kenia, Ghana und Südafrika aktiv und arbeitet mit mehr als 40 geprüften Bildungspartnern zusammen. Rund 75 Prozent der Absolventinnen und Absolventen finden nach Angaben der Organisation eine sinnvolle formelle Beschäftigung.
Von der Ausbildung in den Beruf
Dabei geht Chancen International einen Schritt weiter als klassische Bildungsförderung. Die Ausbildung findet grundsätzlich im jeweiligen Heimatland statt und orientiert sich am konkreten Bedarf des Arbeitsmarktes. Finanziert werden gezielt Studiengänge und berufliche Ausbildungen in Bereichen mit Fachkräftebedarf, unter anderem in Wirtschaft, Logistik, Technologie, Gesundheitswesen, Gastwirtschaft und Tourismus. Alle Bildungspartner werden von Chancen International sorgfältig geprüft und nach strengen Kriterien ausgewählt. Ergänzt wird die Ausbildung durch Karriereberatung, Finanzbildung und kontinuierliche Betreuung.
Wie daraus konkrete berufliche Perspektiven entstehen können, zeigt das Beispiel von Abigael Shahenza aus Kenia. Sie konnte sie sich eine höhere Ausbildung zunächst nicht leisten. Über Chancen International absolvierte sie eine Ausbildung im Gastgewerbe am TASK Catering Training Institute in Nairobi und lernte zusätzlich Deutsch. Nach ihrem Abschluss erhielt sie eine Stelle bei einer deutschen Kreuzfahrtgesellschaft. Heute kann sie mit ihrem Einkommen die Zukunft ihrer beiden Töchter sichern.
Auch die Zusammenarbeit mit internationalen Unternehmen eröffnet neue Wege vom Ausbildungsabschluss in den Beruf. So unterstützt die Organisation die Nachwuchsfachkräfte dabei, praktische Erfahrungen zu sammeln und internationale Beschäftigungsmöglichkeiten wahrzunehmen.
Perspektiven für afrikanische und internationale Arbeitgeber
Damit verbindet das Modell zwei Entwicklungen: Es schafft qualifizierte Beschäftigungsperspektiven in den Ländern, in denen die jungen Menschen ausgebildet werden, und eröffnet gleichzeitig Wege für diejenigen, deren Qualifikationen und Sprachkenntnisse international gefragt sind.
Gerade das Gesundheitswesen, technische Berufe und der Tourismus bieten dafür vielfältige Möglichkeiten. Fachkräfte werden nicht nur in Deutschland gesucht. Auch in den afrikanischen Heimatmärkten können die Absolventinnen und Absolventen mit ihrer fundierten Ausbildung attraktive berufliche Perspektiven finden. Für internationale Beschäftigungsmöglichkeiten können je nach Bedarf zusätzliche Sprachkenntnisse und praktische Erfahrungen hinzukommen. So profitieren auch internationale Unternehmen von qualifizierten Nachwuchskräften.
„Unser Ziel ist nicht, junge Menschen aus ihren Heimatländern wegzuführen. Wir wollen ihnen echte Wahlmöglichkeiten geben“, so Blankers. „Eine gute Ausbildung kann Türen öffnen für eine Karriere im eigenen Land ebenso wie für internationale berufliche Chancen. Entscheidend ist, dass junge Menschen selbst entscheiden können, welchen Weg sie gehen möchten.“
Damit setzt Chancen International auf einen Ansatz, der Bildung, Beschäftigung und wirtschaftlichen Aufstieg miteinander verbindet. Denn wo junge Menschen Zugang zu Qualifizierung und Einkommen erhalten, entstehen nicht nur individuelle Perspektiven. Auch Familien, Unternehmen und lokale Wirtschaftskreisläufe profitieren.
Ein Modell, das sich selbst weiterträgt
Ein zentraler Bestandteil des Chancen-Modells ist seine langfristige Wirkung: Die Rückzahlungen der ehemaligen Programmteilnehmenden finanzieren die Ausbildung weiterer junger Menschen. So wird aus einer einmaligen Bildungsfinanzierung ein Kreislauf, der immer neue Chancen schaffen kann.
Bereits heute erfüllen laut der Nichtregierungsorganisation 97 Prozent der Absolventen ihre Rückzahlungsverpflichtungen zuverlässig. 300 der Geförderten haben ihre Finanzierung bereits vollständig zurückgezahlt.
Bis 2029 will die Organisation die Finanzierung auf insgesamt 60.000 junge Menschen ausweiten und damit nach eigenen Berechnungen rund 6,1 Milliarden US-Dollar an zusätzlichem Lebenseinkommen ermöglichen.
Finanziert werden die Programme durch Stiftungsgelder, staatliche Förderprogramme sowie Investitionen aus der Privatwirtschaft. So sind etwa die Schweizer UBS Optimus Foundation und die deutsche KLETT Gruppe langfristige Investoren in das innovative Bildungsfinanzierungsmodell.
Die BMZ-Auszeichnung der in Südafrika geborenen Batya Blankers, die selbst als junge Frau über ein einkommensabhängiges Bildungsfinanzierungsmodell in Deutschland studierte, lenkt damit den Blick auf einen Ansatz, der weit über klassische Entwicklungsförderung hinausgeht: Chancen International investiert in junge Menschen und damit in die wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunft Afrikas.
Über Chancen International
Chancen International wurde 2018 in Ruanda gegründet und finanziert die Ausbildung talentierter junger Menschen in Afrika, die sich eine weiterführende Bildung sonst nicht leisten könnten. Das non-profit Unternehmen arbeitet heute in Ruanda, Kenia, Ghana und Südafrika mit mehr als 40 Bildungspartnern zusammen. Das einkommensabhängige, solidarische Finanzierungsmodell ermöglicht es Absolventinnen und Absolventen, die Finanzierung nach ihrem Berufseinstieg zurückzuzahlen. Diese Mittel können anschließend für die nächste Generation eingesetzt werden. Chancen International verbindet Bildungsfinanzierung mit Karriereberatung, Finanzbildung und Unterstützung beim Übergang in den Arbeitsmarkt.
Weitere Informationen zu Chancen International
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